Kurzfassung Lise Bauck, Gesundheitsfachkraft, erkrankte mit sämtlichen für CFS/ME typischen Symptomen: Licht- und Schallempfindlichkeit, starke Muskel-, Gelenk-, Haut- und Darmschmerzen, Übelkeit und Schwindel bis zum Kriechen zum Badezimmer. Halbjährige gründliche Diagnostik fand nichts. Die Warnseiten der norwegischen ME-Vereinigung verängstigten sie mehr, als sie halfen; als Fachfrau hielt sie Stillstand und pure Ruhe für physiologisch unplausibel. Über das Interview mit dem genesenen Fußballer Arild Berg und das Stressmodell des ME-Forschers Vegard Bruun Wyller erkannte sie einen Systemfehler: Alles wird als zu viel und gefährlich interpretiert. Ab dem 1. Januar baute sie sich mit 100 Metern Gehen am Tag auf, sprach sich dabei laut Selbstinstruktionen zu („das ist nicht gefährlich“) und erreichte die 1,3-km-Runde in sechs Monaten; danach steigerte sie Sinnesreize und Lesestoffe schrittweise. Heute trainiert sie wieder wie vor der Krankheit, wandert lang im Wald, liest Zeitungen und Fachtexte und kehrt ins Erwerbsleben zurück – vorsichtiger gegenüber Dauerstress als früher, aber ohne dass der Körper sie noch aufhält.